Goldene Äpfel

Äpfel sind eine meiner liebsten Früchte! Goldene Äpfel dagegen waren mir bis vor kurzem noch völlig unbekannt. Kennst du sie? Dieser Beitrag handelt von Geschichten und ich schreibe nicht nur darüber, wie meine drei goldenen Äpfel entstanden sind sondern auch wo mir Begriff begegnet ist. Meine Begeisterung dafür und drei Geschichten teile ich hier mit dir – du musst nur die Hände aufhalten und die goldenen Äpfel auffangen.


Inspiration und Kreativität

Beim Malen oder Gestalten beginnen wir entweder ganz intuitiv ein Werk, indem wir noch gar nicht wissen, was sich zeigen will, oder wir beginnen mit einer Vorstellung von einem Bild, das wir bereits im Kopf haben. Bei mir ist es meist eine Kombination von beidem.

Manchmal genügt ein Wort, ein Satz, ein Erlebnis, eine Situation, um in uns das Bedürfnis nach Ausdruck zu erzeugen. Bei dem Bild von den goldenen Äpfeln traf mich der Einfall beim Lesen eines Textes aus einem Buch zum Thema Gold. Ich musste sofort beginnen das Bild, das vor meinem inneren Auge aufplopte zu malen.

Der Zwischenzustand vom Bild: „drei goldene Äpfel“, Öl & Gold auf kreidegrundierter Holztafel, 2018.

Gold

 leuchtend, glänzend, strahlend, kraftvoll und transzendent!

 

Im besten Sinne symbolisiert Gold

die Sonne, alles Göttliche,

Weisheit, Klarheit, Reinheit,

Reichtum & Fülle,

Kreativität & Inspiration.

Die Faszination Gold

Gold interessiert mich seit ich ein kleines Mädchen war. Ich kann gar nicht mehr sagen, womit die Faszination für dieses edle Metall zuerst begann. Ob es Schmuck war, die Kelche in der kirchlichen Liturgie, die reichen Zimmerdekorationen der Schlösser... Es begleitete mich in meiner Ausbildung zur Gemälderestauratorin und schliesslich durfte ich als Dozentin an der Hochschule der Künste neun Jahre das Vergoldermodul leiten und mich noch eingehender mit sämtlichen Vergoldungstechniken befassen und sie an die Studierenden theoretisch und praktisch weitergeben.

Gold - ein göttliches Material

Klar, dass in meinem künstlerischen Arbeiten das Gold und auch Silber einen zentralen Stellenwert haben. Heute interessieren mich vor allem die Kombinationen der historischen Techniken in Verbindung mit Stoffen, Mustern und Ornamenten, mit floralen und organischen Formen. Es ist daraus ein modernes Zusammenspiel entstanden. Die Technik der sogenannten Öl- oder Glanzvergoldung gebe ich auch in meinen Workshops weiter und bei der Vergoldung der Wandscheibe.

Buchtipp zum Thema Gold in Kulturgeschichte und Kunst

Bei der Vorbereitung zu meinem Vortrag zum Gold, der Geschichte, der Symbolik und der Verwendung von Gold und Blattgold in der Kunst- und Kulturgeschichte, den ich immer wieder an Atelier-Apéros halte und auch bei Veranstaltungen und Teamevents, bin ich auf das wundervolle buch von Monika Steinkopf gestossen: «Gold, Der Mythos in Kunst und Dichtung», Hrsg. Monika Steinkopf, Reclam Verlag, 2014. Es erzählt mit vielen wertvollen Beispielen an Kunstgegenständen aus Gold Geschichten aus sämtlichen Kulturregionen und umschreibt die 6000 Jahre alten Mythen zum edelsten Metall - das die Menschheit seit jeher in seinen Bann gezogen hat. 

«Gold, Der Mythos in Kunst und Dichtung», Hrsg. Monika Steinkopf, Reclam Verlag, 2014

Am Ende Ihres Vorworts zu diesem goldenen Schatz zitiert die Autorin einen Brauch, wie die türkischen Beduinen ihre Geschichten begannen, an den Ufern, den Feuern der Karawanen-Serials sitzend. Sie begannen oft ihre Geschichte mit den goldenen Äpfeln:

Seht ihr in meinen leeren Händen goldene Äpfel, seht ihr sie? Achtet auf, ich werfe sie Euch zu: dir einen, dir dort ganz hinten einen, dir so verborgen im Winkel einen, diesen noch und den letzten auch. Haltet sie, derweil ich Euch berichte von vielem, das geschah, vielleicht geschah, vielleicht gehört ward, vielleicht nur gesehen – wer kann es sagen? Wer weiss es, was wirklich ist, wer, was nur Gedankenschatten? Wenn wir es alles sahen und hörten, werft sie mir zurück, die goldenen Äpfel, die ich Euch gab aus leeren Händen, und aus Euren Seelenaugen werde ich sie sehen, meine goldenen Äpfel. Fangen und halten. Habt Ihr vernommen, Freunde und Brüder?

Ist das nicht schön? Jeder imaginäre goldene Apfel steht für eine Geschichte, für eine Erzählung, eine Anekdote, eine Legende, Sage, Fabel oder Mythos. Wie voll ist unsere Welt von imaginären goldenen Äpfeln. Drei davon habe ich gemalt, aber es werden sicher noch viele hinzukommen.

"Goldene Äpfel" von Kambiz Poostchi

Ein weiteres herrliches Buch ist das Buch Goldene Äpfel von Kambiz Poostchi. Und auch er beginnt seine Geschichtensammlung mit dem oben zitierten Ausspruch alltürkischer Nomaden.

Sein Buch ist eine Sammlung humorvoller und lehrreicher Weisheiten, Geschichten und Aphorismen aus aller Welt, verschiedener Kulturen und unterschiedlicher Religionen. Ein reines Lesevergnügen! 

Die Geschichte «der Samen» habe ich hier ausgewählt, weil sie einfach Mut macht. Und das können wir ja immer gebrauchen. Mut zum Leben, zum Wachsen, zum Kreativsein, zum Entfalten und die eigenen Möglichkeiten zu erforschen. Ich hoffe sie gefällt dir.

Der Samen

Es steckten einmal zwei Samen nebeneinander im Boden.

Der erste Samen sprach: «Ich will wachsen! Ich will meine Wurzeln tief in die Erde senden und ich will als kleines Pflänzchen die Erdkruste durchbrechen, um dann kräftig zu wachsen. Ich will meine Blätter entfalten und mit ihnen die Ankunft des Frühlings feiern. Ich will die Sonne spüren, mich vom Wind hin- und herwehen lassen und den Morgentau auf mir spüren. Ich will wachsen!»

Und so wuchs der Samen zu einer kräftigen Pflanze.

 

Der zweite Samen sprach: « Ich fürchte mich. Wenn ich meine Wurzeln in den Boden sende, weiss ich nicht, was mich dort in der Tiefe erwartet. Ich befürchte, dass es mir wehtut oder dass mein Stamm Schaden nehmen könnte, wenn ich versuche, die Erdkruste zu durchbrechen. Ich weiss auch nicht, was dort oben über der Erdkruste auf mich lauert. Es kann so viel geschehen, wenn ich wachse. Nein, ich bleibe lieber hierin Sicherheit und warte, bis es sicherer ist.»

Und so blieb der Samen in der Erde und wartete.

Eines Morgens kam eine Henne vorbei. Sie scharrte mit ihren scharfen Krallen nach etwas Essbarem im Boden. Nach einer Weile fand sie den wartenden Samen im Boden und frass ihn auf.

 

Die Geschichte ist vom Autor frei übersetzt und stammt aus dem Buch chicken Soup for the soul von Jack Canfield u. Mark V. Hansen und ist aus dem Englischen frei übersetzt vom Autor.

Wir alle haben unsere goldenen Äpfel. So viel Erlebtes, so viel zu berichten, zu geben. Vieles ist wahr, manches erdacht, oftmals ausgeschmückt, von der Zeit bereichert oder korrigiert. Wie reich ist unser Leben, eine Ernte, Reife, süsse Früchte – goldene Äpfel.

Teile deine goldenen Äpfel mit mir und allen anderen!

 

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Ich danke dir dafür und grüsse dich von Herzen,

Julia Bigler

Wirf uns einen Apfel zu!

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