Fabelwesen erschaffen – die fabelhafte kreative Inspiration No 32

Fabelwesen - fast vergessen schlummern sie in den tiefen Winkeln unseres Gedächtnisses. Doch was genau sind Fabelwesen? Bei der Suche nach Fabelwesen, und welche es gibt, eröffnet sich eine Fülle an Geschöpfen weltweit mit unterschiedlichsten Absichten: mythologische Geschichten von Einhörnern und Meerjungfrauen, Tierfabeln mit pädagogischen Gleichnissen von Moral und Tugend oder Bestiarien à la Hyronimus Bosch. Welch erstaunliche Vielfalt! Ich habe sie zum Anlass genommen für die aktuelle kreative Inspiration No 32.


Fabelhafte Fabelwesen

Mein Interesse und Beschäftigung mit Fabelwesen begann vor den Sommerferien. Von August bis zum autofreien Sonntag am 21. Oktober 2018 läuft im Kirchenfeldquartier in Bern das Spaziergangsprojekt „Flanieren & Velofahren“  zum Thema Fabelwesen, organisiert von der www.quartierzeit.ch

Neben der Aktion des Berner Künstlers Matthias Zurbrügg, der an unterschiedlichen öffentlichen Plätzen, in Stassen, an Balkonen mit meterhohen Worten aus Holz zum Sinnieren und Fabulieren anregt, konnten auch die Bewohner in ihren Vorgärten Fabelwesen platzieren. 

Fabelwesen - das Thema gefällt mir!

Zuerst kamen mir das Einhorn, die Meerjungfrau und der grüne Mann in den Sinn. Dann die Frage: sind das überhaupt typische Fabelwesen? Dem bin ich nachgegangen und dabei auf Interessantes gestossen.

Die Grenzen sind fliessend zwischen Fabelwesen, mythologischen Gestalten und Figuren aus der Sagen und Legenden.

Die Fabel - kurze Geschichte mit moralischer Pointe

Fabelwesen können verschiedener Natur sein. Häufig sind es Tiere, Pflanzen oder auch Gegenstände denen menschliche Eigenschaften zugedacht sind. Sie verkörpern dadurch menschliche Charaktereigenschaften, Stereotypen, die allgemein bekannt sind, wie der schlaue hinterlistige Fuchs, das treue Lamm, der kluge Raabe, die weise Eule oder die dumme Gans. Oder aber es sind Mischwesen, die sich aus menschlichen und tierischen Elementen zusammensetzen. Geschöpfe, deren äußere Erscheinung durch die Phantasie der Menschen geprägt ist und deren Existenz nicht belegt werden kann.

Es gibt unzählige Fabelwesen. Sie sind allgegenwärtig, prägen unsere Kulturen, Moralvorstellungen und Fantasien.

Die traditionelle Fabel ist eine unterhaltende meist kurze Geschichte und ihre Pointe oft moralisch belehrend. Die Handlung spielt an einem unbekannten Ort, zu unbestimmter Zeit und ist typischerweise einfach in der Erzählstruktur mit einer Haupthandlung und wenig Nebenschauplätzen. 

Es gibt auf der ganzen Welt Fabelwesen und jede Region hat noch dazu ihre ganz eigenen typischen Sagen, Legenden und Fabeln. Hier nur ein paar Beispiele: Rübezahl aus dem Riesengebirge, Loreley, die Rheinnixe, Ekke Nekkepenn, der nordische Meermann, Medusa, Kentaur, Sphinx... Der Lindwurm, ein Drachenwesen, hat es sogar auf das Stadtwappen von Klagenfurt gebracht.

Erschaffe deine eigenen Fantasiegestalten

Los geht's! die kreative Inspiration No 32

 

Es ist ein grosser Spass die eigenen Wesen zu gestalten. Und es braucht nichts weiter, als ein paar Zeitschriften, Schere, Klebstoff und Papier. 

Motive ausschneiden und neu zusammensetzen...

 

Übrigens, Synonyme von "fabelhaft" sind: aussergewöhnlich, unglaublich, alle Vorstellungen und Erwartungen übertreffend... In diesem Sinne, fang einfach an und lass dich von deiner Fantasie beflügeln und davontragen!

 

Vielleicht fallen dir mit deinen erschaffenen Kreationen sogar neue Geschichten und Fabeln ein. Dann bitte, lass es mich wissen! Ich liebe Geschichten.

Es kann vielleicht eine Zeit dauern, bis du genügend Motive zusammengetragen und ausgeschnitten hast. Ich habe das abends am Wohnzimmertisch gemacht, wenn mein Sohn in der Nähe war. Auf diesem Wege haben wir viel über Fantasiewesen und Geschichten miteinander erzählt, einige gelesen und nicht schlecht gestaunt, wie verstaubt und altmodisch die traditionellen Fabeln oft daherkommen.

Die Entscheidung, wie ich die vielen neuen Wesen kombinieren und aufkleben wollte, fiel mir echt schwer. Ich habe sie immer wieder neu arrangiert und auf verschiedenen Hintergründen positioniert. 

 

Dabei fällt auf, wie genial sie sich auch für Mixed Media-Collagen eignen und wie toll sie sich mit den Transferbildern kombinieren lassen.

Hier siehst du eine Auswahl meiner Best-of Fabelwesen:

Und dann musste ich natürlich die Fabelwesen als Mixed Media-Collagen einbauen:

Doch ganz ehrlich: die meisten Fabeln, die ich gelesen habe, entsprechen überhaupt nicht meiner Weltanschauung. Sie handeln nicht von Werten wie Vertrauen, Liebe, Mut und Zuversicht, sondern es geht vielmehr um moralische Lehren für zwischenmenschliches Verhalten. Es wurde mit Fabeln versucht negative menschliche Eigenschaften, wie Torheit, Hass, Untreue, Neid, Geiz und Gewalt dem Menschen bewusst zu machen und durch pädagogische Pointen und erhobenen Zeigefinger davor zu warnen.

Der Ursprung der Fabelgeschichten

Viele der heute noch bekannten Fabeln gehen auf den alten Sagen- und Fabelschatz des Äsop, eines phrygischen Sklaven, um ca. 550 v. Chr., zurück. Von ihm stammt die angeblich erste Sammlung griechischer und indischer Fabeln. Martin Luther formulierte diese ab 1530 um und benutzte sie als «Vehikel der Erkenntnis» um den Menschen mit seinen Schwächen zu konfrontieren und zum Zwecke religiöser Erziehung. Diese Fabeln gelangten auch Bedeutung, um gesellschaftliche Missstände zu kritisieren und um Lügen aufzudecken. 

Drei Fabeln des Äsop

Die folgenden drei Fabeln von Äsop, um 600 v.Chr. finde ich ganz amüsant:

 

Die krebse

«Geh doch gerade und vorwärts!" rief einem jungen Krebs seine Mutter zu: "Von Herzen gerne, liebe Mutter", antwortete dieser, "nur möchte ich es dich ebenso machen sehen." 

Jedoch vergeblich war der Mutter Anstrengung und sichtbar ihre Klügelei und Tadelsucht. 

Gib keine Befehle, die man nicht vollbringen kann, und tadle an andern keine Fehler, die du selbst begehst!

 

Drei Stiere und der Löwe

Drei Stiere schlossen miteinander ein Bündnis, jede Gefahr auf der Weide mit vereinten Kräften abzuwehren; so vereinigt, trotzten sie sogar dem Löwen, dass dieser sich nicht an sie wagte. 

Als ihn eines Tages der Hunger arg plagte, stiftete er Uneinigkeit unter ihnen. Sie trennten sich, und nach nicht acht Tagen hatte er alle drei, jeden einzeln, angegriffen und verzehrt. 

Eintracht gibt Stärke und Sicherheit, Zwietracht bringt Schwäche und Verderben.

 

Der Pfau und die Dohle 

Ein Pfau und eine Dohle stritten sich um die Vorzüge ihrer Eigenschaften. Der Pfau brüstete sich mit dem Glanz, der Farbe und der Größe seiner Federn. Die Dohle gab all dieses zu und bemerkte nur, dass alle diese Schönheiten zur Hauptsache nicht taugten - zum Fliegen. Sie flog auf, und beschämt blieb der Pfau zurück. 

Sei nicht stolz auf bloß äußerliche Vorzüge.    

Meine absolute Lieblingsfabel: Frederick

Es gibt aber auch moderne Fabeln, die nicht so prüde daherkommen, sondern, die eben doch von Liebe, Vertrauen, der Bedeutung von Träumen, Intuition und inneren Werten handeln. 

Poetisch und voller Herz beschreibt all das die Geschichte von der Maus Frederick, von Leo Lionni aus dem Jahr 1967. 


Die Moral von der Geschicht: kümmere dich nicht nur um das Anhäufen von Vorräten und Gütern für schlechte Zeiten, sondern geniesse jeden Moment und sammle schöne Erlebnisse, die dich und deine Liebsten im Herzen & Geiste nähren.

Bestiarien - Fabelwesen der Buchmalerei des Mittelalters

Auch aus der mittelalterlichen Buchmalerei sind uns viele Abbildungen von Fabelwesen bekannt. In sogenannten Bestiarien wurden diese mittelalterlichen Tierdichtungen mit reichen Illustrationen, historisch natürlich in Form von Buchmalerein zusammengefasst.

Dabei handelt es sich um Geschöpfe aus verschiedenen Tieren oder menschliche Tierwesen, wie beispielsweise auf dieser Seite aus dem spätgotischen Musterbuch von Stephan Schriber, um 1494, zu sehen ist.

Meist sind sie moralisierend und verbinden die Eigenschaften und Charakterzüge von Tieren und Fabelwesen mit der christlichen Lehre. Es sind bildliche Darstellungen von abstrakten Begriffen, wie Tugenden (Schönheit, Weisheit, Reinheit) oder Lastern. (Zorn, Wollust, Unehrlichkeit). Es werden Geschöpfe beschrieben, wie zum Beispiel Drachen, Einhörner, Löwen.

Bestiarien von Hieronymus Bosch

Bestarien vom Feinsten kennen wir vom Niederländischen Maler Hieronymus Bosch 1450-1516 zum Beispiel aus dem Triptychon „der Garten der Lüste“ (Museo del Prado, Madrid). Viele seiner Bilder sind mit dämonische Figuren, hässlichen Fratzen und Monster bevölkert. Es sind Fabelwesen, menschliche Wesen mit Tierköpfen von Schweinen, Fischen, Vögeln kombiniert.

Die Bedeutung der Fabelwesen und mythologischen Gestalten kann von Region zu Region oder in verschiedenen Zeiten unterschiedlich sein. So wird beispielsweise die Eule als Fabelwesen im antik-mythologischen Sinne als Symbol der Weisheit interpretiert. In christlichen Bildern dagegen, so wie bei Bosch, steht sie für das Böse, für Torheit, geistige Blindheit und symbolisiert alles Irdische.

 

Fabulieren bedeutet Geschichten oder Begebenheiten fantasievoll erzählen und ausschmücken.

Befassen wir uns mit der Welt der Geschichten, Märchen, Sagen, Legenden und Mythen, dann eröffnet sich unweigerlich ein Tor zu unserer Fantasiewelt.

 

 

Mein Buchtipp zu Bestiarien und Fabelwesen: "Vom Salamander der im Feuer lebt und anderen Fabeltieren", von Monika Beisner und Lurie Alison.

Zombies, Aliens und Roboter

Leonardo da Vinci (1452-1519), der in vielem seiner Zeit um Längen voraus war, beschäftigte sich mit mechanischen Automaten und sie gelten als die ersten Roboter überhaupt.

Die Grenze zwischen Fabelwesen und anderen Fantasiegeschöpfen ist fliessend. Ich frage mich, ob nicht im weitesten Sinne neben den alten Wesenheiten der Unter- und der Zwischenwelten auch die Aliens aus fremden Galaxien und moderne Roboter dazugehören? Denn wenn das Wort „fabulieren“ allgemein erzählend ausschmücken, zusammensetzen, plaudern, erspinnen, zusammenreimen beinhaltet, dann gehören sie sicher dazu. 

Fantasie beflügelt!

Zu guter Letzt fiel mir noch die alte norddeutsch Musikband Witthüser & Westrupp ein, die viele geniale Geschichten geschrieben und als Lieder vertont haben. Voll 80er - aber ich habe sie geliebt! Der "Rat der Motten" passt an dieser Stelle sehr schön. 

Bitte teile deine Ergänzungen rund um das Thema Fabelwesen im Kommentarfeld. Du machst mir und allen, die sich dafür interessieren eine grosse Freude!

Ich wünsche dir einen wundervolle märchenhafte Zeit! 

Sei von Herzen gegrüsst,

deine Julia Bigler

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0