Temperafarben - Für Ostern mit Eigelb und Pflanzenfarben malen

Frühling, fröhlich bunte Ostereier - & Pflanzenfarben! Gerade jetzt gibt es gemahlene und pulverisierte Färberpflanzen in vielen Geschäften zum Eierfärben zu kaufen. Da bietet es sich geradezu an, diese wunderschönen Naturfarben auch zum Malen zu verwenden.

Und darum geht es in dieser kreativen Inspiration No 27:

Die Malerei mit Eitemperafarbe und pulverisierten Pflanzen.

Eigentlich ist die Eitempera eine hochkomplexe Maltechnik. Doch ich habe mir den Spass erlaubt und sie auf eine sehr einfache end spielerische Anwendung herunter gebrochen. Probiere es aus!


Ich konnte es nicht lassen über Eitempera zu schreiben, ohne dabei die klassische Temperamalerei und den Begriff des Bindemittels zu erwähnen - (da drückt einfach mein Restauratorinnen- und Dozentenherz durch...). Falls dich das auch interessiert, so findest du am Ende dieses Blogs ein paar Infos dazu.

Das Gelbe vom Ei

Die Anwendung der hier vorgestellten Eitempera aus einem Gelbei-Wasser-Gemisch und pulverisierten Pflanzen ist sehr simpel.

Du stellst dir deine Farbe selbst her und malst, kleisterst oder experimentierst damit auf Papier. Die Ergebnisse sind vielfältig, je nachdem, wie dünn oder dick dein Farbauftrag ist, ob du mit Pinsel, Finger oder mit dem Spachtel die "Eierpampe" aufträgst. 

Pflanzenfarben zum Färben von Ostereiern

In diesen Tagen sind sie leicht zu bekommen – pulverisierte Pflanzenfarben zum Ostereierfärben. Lebensmittelgeschäfte, Apotheken oder Drogeriemärkte bieten ein vielfältiges Angebot:

Sandelholz, Annattosamen, Mateblätter, Curcuma, Malvenblüten, Holunder, Alkana, Walnuss, Zwiebelschalen...

Die färbenden Substanzen dieser Pflanzen sind meist in den Wurzeln, Samen oder Blättern, selten auch in den Blüten der Pflanzen enthalten.

 

Über Pflanzenfarben und Farbstoffe habe ich vor einem Jahr ausführlich geschrieben. Hier nur soviel:  bei dieser Eitempera-Pflanzen-Farbe benutzen wir nicht ausschliesslich die extrahierten Farbstoffe, sondern verwenden ganz einfach das gemahlene Pflanzenpulver! Das heisst, es sind darin auch die unlöslichen Pflanzenbestandteile enthalten. Diese ergeben eine krümelige Malfarbe und das kann wiederum hat seinen besonderen Reiz.

Das bezaubernde Violett der Cochenille

Auch die Cochenille eignet sich zum Färben. Das ist allerdings keine Pflanze, sondern getrocknete Läuse! Und der rosa-violette Farbstoff, den sie enthalten und der sich sehr einfach durch erwärmen im Wasser gewinnen lässt, ist von besonderer Qualität.

Das brauchst du für die Malerei mit Eitempera

- ein Ei natürlich!

- Pflanzenfarben zum Ostereierfärben

- ein Schraubglas

- eine alte Fliese oder Glasplatte zum Anmischen der Farben

- ein Palettmesser oder Spachtel (sollte flexibel sein, um die Pflanzenfarbe mit dem Eibindemittel zu vermengen

- Pinsel

- weisses Papier

- Backpulver

- Haushaltsessig

- Ggf. weissen Wachsmalstift oder weissen Gel-Pen für Verzierungen

- einen alten Topf für den Farbsaft der Cochenille 

Die Farbe anreiben mit Eitempera und pulverisierten Färberpflanzen

Gelbei und Eiklar trennen. Eigelb auf ein Haushaltspapier geben und in ein Schraubglas ablaufen lassen, so dass die Spindel und das dünne Häutchen im Haushaltstuch zurück bleiben. 1:1 mit Wasser vermischen, den Deckel aufschrauben und gut durchschütteln - fertig ist das Malmittel!

Davon etwas auf eine Fliese oder Glasscheibe geben und mit einem Teil Pflanzenfarbe zu einer vermalbaren Flüssigkeit verrieben. Dafür eignet sich ideal ein Palettmesser oder auch ein flexibler Spachtel.

Cochenille-Sud anstelle des Wasseranteils verwenden

Anstelle des Wasseranteils kann die Eitempera auch mit dem Sud ausgekochter Cochenille vermischt werden. Es entsteht eine sehr feine lasierende Farbe, die weiter mit Pflanzenfarben angerieben werden oder gleich vermalt werden kann.

lasierender Farbauftrag mit dem Pinsel

Mit diesen Pflanzen-Eitempera-Farben lassen sich wunderschön zarte Partien malen, indem die Farbe mit dem Pinsel auf dem Papier fein ausgestrichen wird. Nach dem Trocknen kann sie immer weiter übermalt werden und es ergeben sich interessant schattierte Farbfelder.

Weisst du nicht, was du malen sollt? So geht es mir auch häufig. Dann lasse ich den Zufall entscheiden: ich schmier ein bisschen mit der Eierpampe rum, male mit den Fingern... einfach experimentieren.

pastoser, dicker Farbauftrag mit Spachtel, Pinsel und Fingern

Der Spielerei sind keine Grenzen gesetzt und du kannst die Farbe auch mit dem Spachtel auftragen, mit dem Pinsel, mit den Fingern. 

Farbeffekte durch aufgestreute Säuren und Basen in die feuchte Farbe

Solange die Farbe noch feucht ist lässt sich weiter experimentieren und ein wenig Backpulver (basisch) oder Essigtropfen (sauer) auf die Farbe träufeln. Es ergeben sich je nach Farbstoff ganz tolle Farbumschläge und Effekte.

Mal doch ein Osterei!

Du möchtest lieber etwas Gegenständliches malen, aber nicht zu kompliziert?  Na bitte! 

Ganz wichtig: Gönn dir und den Farben etwas Zeit. Sie entfalten ihre volle Schönheit erst nach dem Trocknen!

Jetzt wünsche ich dir ganz viel Freude mit der Eitempera und wie immer freue ich mich sehr über rückmeldungen und Bilder deiner Experimente und Kunstwerke!

Ich wünsche dir und deinen Liebsten fröhlich bunte und lustvolle Osterfeiertage!

Herzliche Grüsse, Julia Bigler


Farbenprojekt

Du kannst nicht genug bekommen von Farben? Geht mir auch so. Darum kommt Klaus Peter Schäffel auch in diesem Jahr wieder ins Atelier und reibt mit uns sämtliche Farben der Buchmalerei an. Wir stellen mineralische Pigmente her und machen Farblacke selbst, scheiden Federkiele zum Schreiben und Zeichnen und machen aus dem Atelier eine Hexenküche - Hurra!

 

Komm doch auch, es sind noch zwei Plätze frei.

Kunst & Feng Shui

Was - du hast noch mehr Lust auf Farbe und auf Temperamalerei? Und auf Reichtum und Fülle in deinem Leben?Aber du möchtest nicht so ganz frei und konzeptlos werkeln und trotzdem Bilder selbermachen - ganz persönlich, ganz individuell?

Dann ist der Workshop mit mir und der Feng shui Expertin Barbara Niccolini genau das Richtige für dich!


Für alle, die mehr wissen wollen über Temperamalerei...

Temperafarbe und Temperamalerei

Unter Temperafarbe versteht man eine Malfarbe, bei der das Bindemittel aus einer Emulsionen besteht in der eine Flüssigkeit tröpfchenförmig in einer anderen Flüssigkeit gemischt ist. Meist ist das wässrig in ölig, ölig in wässrig.

 

Die Bezeichnung entwickelt sich aus dem lateinischen Verb «temperare», was ursprünglich so viel bedeuten konnte wie warm machen, richtig mischen, ins richtige Mass bringen.

Das Hühnerei ist ein wunderbares Beispiel für eine typische natürliche Emulsion. Es besteht aus 12% Eiweiss, 12 % fettem Öl, 74% Wasser und Lecitin.

Temperamalerei

die Königsdisziplin der Malerei

Bereits im europäischen Mittelalter, in der Antike und Spätantike war die Temperamalerei eine verbreitete Maltechnik für Mumienportraits, in der mittelalterlichen Tafel- und Altarmalerei und wird bis heute in der traditionellen Ikonenmalerei eingesetzt.

Diese Malereien sind leuchtend brilliant und bestechend schön in ihrer Farbe und Tiefenwirkung.

 

Die Ölmalerei setzte sich durch viele Vorzüge im 15. Jahrhundert durch. Dennoch kombinierten die Künstler wurden oft aber noch kombiniert in der Mehrschichtigen Öl-Harz-Malerei eingesetzt – Tempera als Untermalung und für Skizzen. Heute kommt der Eitempera nur noch eine sehr geringe Bedeutung zu und nur wenige Maler verwenden sie für Ihre Bilder.

eine "schwierige" Maltechnik

Die klassische Temperamalerei ist eine aufwendige Maltechnik und bedarf technischen Wissens und Erfahrung. Bei der Malerei mit Eitempera wird in kleinen Strichen gemalt. Farbübergänge können nicht durch ein Ineinandermalen erzielt werden, wie bei der Ölmalerei, sondern nur durch einen mehrschichtigen Farbauftrag.

Das macht diese Malerei recht zeitaufwendig, zumal die Farbe immer frisch angerieben werden muss. Zudem zeigt sich der tatsächliche Farbton erst nach dem Trocknen der Farbschicht, wodurch der gezielte Einsatz komplizierter ist, ein geplantes Vorgehen voraussetzt und wenig Freiheiten zulässt.

Bindemittel und Malmittel

Als Bindemittel ist in der Malfarbe wird der Anteil bezeichnet, der für die «Verklebung» für die Fixierung des Pigmentes oder Farbstoffs untereinander und auf dem zu bemalenden Untergrund sorgt. Dieser Untergrund wird allgemein Bildträger genannt und es kann Papier, Pergament, Leinwand, Holz, Metall, Glas etc. sein.

Es ist nicht flüchtig, verdunstet nicht und trägt massgeblich zum Erscheinungsbild der Malerei bei.

Als Malmittel dagegen ist das Anreibemittel für Pigmente gemeint. Es enthält neben dem Bindemittel auch noch Lösungs- oder Verdünnungsmittel.

 

Das Gelbei enthält zwar als Emulsion wässrige und ölige Anteile, es braucht für die Malerei aber noch zusätzlich Wasser als Verdünnungsmittel. 

Ei als Bindemittel & Malmittel in der historischen Malerei

Die maltechnischen Quellenschriften berichten schon seit Plinius dem Älteren (23 -79 nach  Chr.) von der Verwendung des Eis als Malmittel. Die Verwendung der Eitempera geht aber noch viel weiter zurück. Der Mensch war seit der Höhlenmalerei auf der Suche nach Klebemittel für die Malerei auf der Wand. Dazu wurde vermutlich schon früh alles verwendet, was "pappte" und klebte. Erst mit der Zeit hat sich herausgestellt, was von grösserer Hatbarkeit war zum Beispiel Blut, Ei, tierische und pflanzliche Leime, Harze und Öle.

Ei wurde als Ganzes verwendet, das sogenannte Vollei oder nur das Eiweiss / Eiklar oder nur das Eigelb / Eidotter. Eiklar fand besonders in der Buchmalerei und der Vergoldungstechnik Verwendung und ist ebenso, wie Eigelb, in vielen Quellenschriften zu finden.

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