Malen mit Farbsäften - die kreative Inspiration No 20

Um uns herum blüht die Natur reich und farbenfroh - da liegt der Wunsch nahe, diese Farbenpracht auch zum Malen zu nutzen.

 

Wolltest du nicht schon immer mal das Rot der Randen /Rote Bete in einem Bild verwenden?

 

Et Voilà - hier ist die Anleitung! 

 

Tatsächlich können wir mit einigen Pflanzen unserer Umgebung ganz zauberhafte Farben herstellen, aus Farbsäften der Färberpflanzen. Und du wirst sehen, das ist einfach magisch! Magisch wegen der Farbintensität und der Veränderungen, die diese Farbsäfte zeigen, wenn sie mit Säuren (Essig, Zitrone) oder mit Alkalien (Backpulver, Natron) reagieren.


Die Herstellung von Pflanzensäften zum Malen

Inspiriert von unserem wunderbaren Kurs „Miniaturen auf Pergament - das Farbenprojekt“ und der Herstellung von mineralischen Pigmenten und Pflanzenfarben habe ich in den vergangenen drei Wochen auch die ganz einfache, kinderleichte Variante der Farbsäfte ausprobieren.

Farbsäfte eignen sich hervorragend zum Schreiben auf Papier (mit der Feder), zum Einfärben von Papieren, zum Lasieren als Wasserfarbe und zum Aquarellieren.

Vorsicht! Du kannst nicht mehr aufhören damit. Aus lauter Experimentierfreude kam mir eine Idee nach der anderen und darum hat es auch so lange gedauert, bis diese kreative Inspiration No 20 erscheint. Und ja, sie ist recht lang geworden...

Bild: Farbfeldproben der Pflanzenfarbsäfte aus (von links nach rechts): Curcuma, Zwiebel, Rote Bete gekocht, Rote Bete roh, Spinat, Rotkohl, Ligusterbeere und Brennessel. Oben im Farbfeld ist Essig getropft, darauf wurden Hibiskus- und Hagebutten-Teekrümel gestreut. Unten auf den Farbfeldern wurde Backpulver gestreut.

Färberpflanzen

Viele Pflanzen enthalten Farbstoffe, denken wir nur an die Vielfalt der unterschiedlichen Blüten.

Jedoch sind nicht alle Farbstoffe als Farbe geeignet um vermalt zu werden. Die Verwendung beschränkt sich auf wenige Färberpflanzen. Entscheidend sind ihre enthaltenen Farbstoffe.

Im Bild oben siehst du schon die reiche Palette an Pflanzensäften, die ich hergestellt habe und die im folgenden beschrieben sind. 

Pflanzensäfte sind zwar nicht so farbstabil und lichtecht, wie Aquarellfarbe, und können mit der Zeit ausbleichen. Doch allein schon ihre Herstellung und das experiementelle Arbeiten damit regt Herz und Seele an und lässt fantastische Malereien entstehen.

Die Farbstoffe

Es gibt verschiedene Farbstoffguppen in Färberpflanzen. Sie alle sind organisch chemische Verbindungen (wobei ein Alkohol (R-OH) über eine glycosidische Bindung mit einem Zucker-Molekül verbunden ist).

 

Allgemein bekannt sind die Carotinoide, die für die orangene Farbe der Mohrrüben sorgen. Doch es gibt noch viele, viele mehr. Nicht alle eignen sich gleichermassen für künstlerische Zwecke. Ausserdem muss man wissen, wo genau der gewünschte Farbstoff im Pflanzenteil enthalten ist.

Bei Flavonoiden reicht das Farbenspektrum von Gelb, Orange über Rot, Violett bis Blau und ist in Zwiebelschalen, Kreuzdornbeeren, Tagetes, Färberwau, Goldrute und vielen anderen Pflanzen enthalten.

Cyanidin färbt rot, violett bis blau und ist in Legusterbeeren, Rotkohl, schwarzen Holunderbeeren, Hibiskusblüten, Blaubeeren und Kornblumen enthalten.

Betalaine sind wasserlösliche rote Farbstoffe, die z.B. in Roter Bete / Randenenthalten für die Farbe sorgen.

 

Die Farbstoffe können in den Blüten einer Pflanze oder auch in den Stängeln, Blättern, Früchten, Beeren, Samen und Wurzeln enthalten sein. Sie können aus den Pflanzenteilen extrahiert, sprich herausgetrennt werden.

Der pure Farbstoff löst sich in Wasser vollkommen und bildet eine farbige Flüssigkeit, die auch Tinktur, Tinte oder Farbsaft genannt wird. Es handelt sich nicht um Farben im allgemeinen Verständnis. Ihnen fehlt das Körperhafte und Stoffliche, denn sie werden ganz ohne Bindemittel auf Papier vermalt.

Mit Pflanzensäften ist kein differenziertes Auftragen möglich, wie mit pflanzlichen Farblacken oder Farben aus mineralischen Pigmenten, die in Gummi Arabicum, Öl oder Ei gebunden sind. Pflanzensäfte eignen sich jedoch hervorragend zum Lasieren und als Wasserfarbe. Sie sind fantastisch farbstark und verdienen absolute Aufmerksamkeit.

Genial sind die zu beobachtenden Farbumschläge der Farbsäfte, die durch Beträufeln mit Säuren (Essig, Zitronensaft) oder Alkalien Backpulver (Natriumhydrogencarbonat, Alaun) erzielt werden!

Es gäbe natürlich noch viel mehr zu sagen. Bist du an mehr Wissen interessiert, dann empfehle ich dir die Blogbeiträge zu anorganische Pigmente und organische Farbstoffe, die super informative Webseite von Klaus Peter Schäffel und ausserdem die Bücher zu Farbstoffen unter Links, allen voran die Bücher der wundervollen Helena Arendt!

Utensilien für die Herstellung der Pflanzensäfte - alles aus der Küche

Die Materialliste ist recht einfach und du wirst alles in deiner Küche finden:

 

Topf, Siebe, Marmeladengläser, Schalen, Messer, Schneidebrett, Leinentuch, Knoblauchpresse für Curcuma-Wurzeln, Pipette, Klebeband für die Beschriftung der Gläser, Handschuhe für die Arbeit mit roter Bete, Stampfer und Mixstab (habe ich auf dem Foto vergessen...).

Essig, Zitrone, Backpulver für die Farbumschläge. Ausserdem Pinsel und verschiedene Papiere zum Aufstreichen der Farben. Aquarellpapier ist ideal, es geht aber natürlich auch jedes andere Papier.

 

Spannend ist es die Säfte auf verschiedenen Papieren auszuprobieren. Je nach Füllstoff und Papierbehandlung fallen die Farben unterschiedlich aus.

Die Küche ist auch der ideale Arbeitsort für die Herstellung, oder natürlich Draussen, wenn du eine Kochplatte mit Verlängerungskabel hast.

 

Die Nachfolgende Beschreibung ist für die Gewinnung von Farbsäften

  • durch Auspressen der Ligusterbeeren, Auspressen von Curcumawurzeln.
  • durch Auskochen von Schalen (Zwiebel) und Blättern (Brennessel, Spinat), Wurzelgemüse (Randen/Rote Bete, Rotkohl)

Farbsäfte können aber auch durch Mörsern von Blüten (Geranie) gewonnen werden. Das funktioniert auch gut mit Mohnblüten, Stockrosen, Dahlien. Dazu zeige ich hier keine Beispiele - geht aber super: Einfach die Blüten im Mörser zerdrücken, den Saft abgiessen und vermalen. Oder mit wenig Wasser den Blütenbrei erwärmen und durch ein Sieb giessen.

Eine weitere ganz schöne Möglichkeit, die Farbstoffe direkt zu nutzen, ist durch das Einstreuen von getrockneten Blütenblätter der Malven- Hibiskus und Hagebuttenblüten aus Teebeuteln in die nasse Farbe.

 

Mengenangaben sind in den folgenden Erklärungen nicht enthalten. Eine grobe Regel ist, eine Tasse Beeren, Blätter (zusammengedrückt) auf eine halbe Tasse Wasser. Die Farbintensität kann anschliessend durch einkochen des Saftes konzentriert werden.

Die einfachste Gewinnung: aus Beeren den enthaltenen Farbsaft direkt herauszupressen.

Mit diesen Fotos ist das  Auspressen der Beeren am Beispiel der Ligusterbeere erklärt. Die Ligusterbeere wächst an Sträuchern (Hecken) und wird auch Hartriegel genannt, zurecht auch Tintenbeere, denn der Saft ist sehr farbintensiv und kann sofort vermalt werden. 

Vorsicht, denn diese Beeren sind recht giftig! Haushaltesgeräte müssen nach der Farbsaftherstellung mit Ligusterbeeren gut abgewaschen werden.

 

Ebenso geeignet zum Auspressen sind Blaubeeren und Holunderbeeren.

Die Beeren werden einfach zerdrückt und durch ein Haushaltssieb gedrückt oder in einem Tuch ausgepresst. Den Saft in einem Marmeladenglas auffangen.

Die Curcuma-Wurzeln lassen sich auch durch die Knoblauchpresse drücken und der Farbsaft mit dem enthaltenen Farbstoff Curcumin direkt vermalen. Die Ausbeute ist sehr gering, darum habe ich in meinen Versuchen den Saft direkt über den Bildern ausgepresst.

Auspressen von Wurzelgemüse

Ganz fantastische Resultate habe ich mit Rotkohl erzielt. So wird es gemacht:

Rotkohl kleinschneiden, mit etwas Wasser und dem Mixstab pürieren (Vorsicht, spritzt extrem. Es ist gut, wenn du beim Pürieren ein Tuch über die Schale legst.) In einem Leinen- oder Baumwolltuch den Rotkohlbrei auspressen, Saft in einem Marmeladenglas auffangen.

Bei den Randen /Rote Bete geht es genau gleich: die frischen Knollen gibt es allerdings erst im Herbst. Ich habe vorgegarte verwendet, das funktioniert ebenso: Die Knollen werden kleingeschnitten oder fein geraspelt. Dann kann man sie direkt auspressen, das ergibt einen herrlichen Farbsaft, der sehr intensiv auf Säuren (Essig oder Zitrone) und auf Basen ( Natron, Backpulver, Alaun) reagiert. 

Roher Rotkohl und Rote Bete sind recht schwer zum Auspressen, darum habe ich die gepresten Stückchen nochmals mit wenig Wasser ca. 10 Minuten erhitzt und, wie beim Rotkohl, mit dem Küchenmixer püriert. Danach wird der Saft in einem Tuch ein zweites Mal ausgepresst und in einem separaten Marmeladenglas aufgefangen. Durch das Erhitzen entsteht ein total anderes Farbergebnis! Links Randensaft erwärmt, rechts Randensaft roh.

Auskochen von Blättern & Schalen

Blätter, Wurzeln und Rinden müssen ausgekocht werden. Die Dauer des Auskochens ist bei Blättern schneller (10-20 Minuten) als bei Wurzeln (30-60 Minuten).

Nach dem Abseihen der Faserreste kann der Farbsaft in beschriftete Marmeladengläser abgegossen werden und ist schon gebrauchsfertig!

Die ersten drei Fotos von links nach rechts zeigen das Auskochen der Brennessel mit anschliessender Farbprobe. In den nassen Saft wurden getrocknete Malvenblüten eingestreut und nach dem Trocknen abgekehrt. Das Bild rechts aussen zeigt das Abseihen von Blattspinat nach dem Köcheln.

Auch Zwiebelschalen werden in Wasser gekocht, bis ein gelblich-roter Farbsaft entsteht, der abschliessend durch ein Sieb abgegossen wird. In der Schweiz werden traditionell die Ostereier auf diese Weise gefärbt.

Einflussfaktoren der Farbergebnisse

Die Farberscheinung der Säfte ist von vielen Faktoren abhängig und es lassen sich keine standardisierten Farben herstellen. So hat die Konzentration der Pflanzenmenge, der pH-Werts des Wassers, die Temperatur beim Köcheln, der Extraktionsprozess, die Qualität der Pflanze/Frucht und schliesslich auch die Beschaffenheit des Papieres (Beschichtung, Füllstoffe, Leimung) Einfluss auf das Farbergebnis.

Maltechniken mit Saftfarben

Pflanzensäfte lassen sich in unterschiedlichsten Techniken anwenden. Ideal ist als Bildträger Papier:

Nass in Nass auf Papier, nach dem Trocknen Übermalen, Spritztechnik mit der Zahnbürste, Salztechnik (Salz auf die nasse Farbe aufstreuen, mit Wachs-oder Ölkreide ein Muster auf das Papier malen und darüber den Farbsaft streichen, Collagen aus eingefärbten Papieren und, und, und.

Meine Experimente bei der Beschäftigung mit diesen wunderbaren Farbsäften haben zu schönen Kreationen und immer neuen Ideen geführt. Gern zeige ich dir hier ein paar Beispiele.

 

Foto rechts: Einfärben von Papier. Wie unterschiedlich die Farbwirkung vom Papier ist, zeigt das mittlere Foto: auf jedem dieser drei Papierstreifen wurde zuoberst Rotkohlsaft, in der Mitte Brennesselsaft und unten jeweils Ligusterbeersaft aufgestrichen. Von den schöne Experimenten mit Säuren und Alkalien habe ich schon gesprochen, rechts ein Bild mit aufgestreutem Backpulver, aufgetupftem Essig und Salz. 

Impressionen

Ach, das hat mir so viel Spass gemacht und ich hoffe, dass ich dich mit meiner Inspiration anstecken konnte. Lass unbedingt von dir und deinen Experimenten hören, ja? Du kannst dich bei Fragen gerne bei mir melden.

 

Vielleicht wirst du dich fragen, was man mit diesen "Klecksereien" anfangen soll? Na, da habe ich doch schon eine super Idee für die nächste kreative Inspiration No 21 im Juni. Du wirst all diese Papiere noch gut gebrauchen können.

Schau unbedingt wieder in den Blog. Und wenn du magst, dann schreibe dich in meinen Newsletter ein, damit halte ich dich auf dem Laufenden über die nächste Erscheinung der "kreativen Inspiration" und zu aktuellen Kursterminen.

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Pflanzensäfte in der Hinterglasmalerei

Auch für die Hinterglasmalerei lassen sich Pflanzensäfte super einsetzen.

In dem Workshop "kreative Stunden" hast du die wundervolle Gelegenheit das auszuprobieren, neben vielen anderen Techniken. Es ist die perfekte Arbeit um einfach zu beginnen, spielerisch in den Ffuss zu kommen und mit Leichtigkeit kreativ zu sein.

Termine: 

Abend: Mittwoch, 7.6.17 18:00 - 21:00 Uhr

 

Morgen: -Freitag, 9.6.17, -Freitag, 16.6.17, -Dienstag, 27.6.17 jeweils 8:30-11:30 Uhr

 

Einladung zum Atelier-Apéro

Der nächste Atelier-Apero findet am Mittwoch, 14. Juni 2017 von 19:00 bis 21:00 Uhr statt, inklusive Kurzvortrag von mir zum Thema Hinterglasmalerei!

 

Die Teilnahme ist kostenlos. Aus Platzgründen ist die Teilnehmerzahl beschränkt und eine Anmeldung erforderlich.

 

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Eine tolle Gelegenheit sich auszutauschen und Neues zu erfahren. 

Bis dahin! Ganz herzliche Grüsse, Julia Bigler

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