Anorganische Pigmente & organische Farbstoffe

Die Geschichte und Entwicklung der historischen Pigmente & Farbstoffe gehört für mich als Inspirationsquelle absolut zu meiner Arbeit.

Die unterschiedlichen Paletten der verschiedenen Epochen beflügelt mich und dienen mir als Inspirationsquelle. Historische Maltechniken interessieren mich ebenso, wie die modernen Mixedmedia - Techniken.

Zum Thema Pigmente und Farbstoffe sind bereits Regaleweise Bücher geschrieben worden -

ich will für dich die wichtigsten Eckdaten knapp zusammenfassen...

Die Höhlenmalerei unserer prähistorischen Vorfahren war der Auftakt für die Erschliessung der Welt der Farben. Der Wunsch der Menschen nach schönen und immer neuen Farben, nach Ausdruck und nach Gestaltung mit Farbe führte dazu, dass nach immer weiteren Quellen für Farben gesucht wurde.

Neben den Erden mit ihren intensiven Nuancen von Gelb, Ocker, Rot über Violett bis Braun und Grün, die aufgrund der in der Erde enthaltenen Eisenoxide und Eisenhydroxide zustande kommen, der Nutzung von weisser Kreide und Gips und von schwarzer Kohle aus Knochen, Horn und Hölzern entdeckten die Menschen mit der Zeit weitere Möglichkeiten zur Farbgewinnung:

Anorganische mineralische Pigmente

Bereits seit dem Altertum wurden mineralische Gesteine genutzt um daraus Pigmente herzustellen. Dies war allerdings aufwendiger, als Erdfarben zu verwenden, die bereits in ihrem natürlichen Zustand zum Malen geeignet waren.

Die Gesteine mussten durch Grabung oder bergmännischen Abbau zunächst gewonnen und durch Zerstossen, Zermahlen und Reinigung mühevoll aufbereitet werden.

 

Besonders das frühe Ägypten ist für seine kunstvolle Nutzung der Mineralpigmente bekannt. Zu den historischen Pigmenten zählen das blaue Azurit und der grüne Malachit, beides kupferhaltige Mineralien die in der Natur häufig zusammen auftreten. Zinnoberrot wurde aus quecksilberhaltigem Cinnabarit gewonnen und das gelbe Auripigment aus Arsen- und schwefelhalteigen Kristallen.

 

Der blaue Lapislazuli-Stein dagegen, aus dem Ultramarin hergestellt werden kann, wurde zwar in Ägypten schon früh als Schmuckstein verwendet, als Pigment dagegen erst seit dem 6. Jh. nach Chr. Es galt als das reinste Blau, das so teuer war, dass es mit Gold aufgewogen wurde.

 

Dieses Video zeigt sehr schön den aufwendigen Herstellungsprozess von Ultramarin: 

Die Herstellung von Ultramarin

 

Synthetische Herstellung von anorganischen Pigmenten

In der Antike fanden die Menschen auch heraus, dass Pigmente durch besondere Behandlung von Metallen synthetisch hergestellt werden konnten. So ist das älteste hergestellte künstliche Pigment das Ägyptischblau. Es wurde bereits an Sarkophagen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen.

 

Ein weiteres synthetisch hergestelltes Pigment war Bleiweiss. Es liess sich durch Aufbringen von Urin oder Essig auf Bleiplatten gewinnen. Die dabei entstehenden weissen Ausblühungen wurden von den Bleiplatten abgeschabt. Ähnlich konnte Grünspan hergestellt werden, indem man Kupferplatten mit Urin, Essig oder Weintrester begoss und die entstehenden grünen Ausblühungen vom Kupfer abschabte.

 

Durch unterschiedliches Erhitzen und Oxidation von Bleiweiss wiederum liessen sich gelbe Bleiglätte und orangerote Mennige erzeugen. Die künstliche Herstellung von Zinnober aus Quecksilber und Schwefel wurde von den Chinesen erfunden und gelanget wahrscheinlich über die Araber im 8./9. Jh. nach Europa.

 

Farbpalette der anorganischen Pigmente des Mittelalters 

 

Obwohl auch diese Farbmittel allesamt der Natur entstammen sind einige von ihnen aufgrund ihrer chemischen Verbindungen wie Quecksilber, Blei, Arsen sehr giftig und heute in ihrer reinen Form nur noch sehr selten in Gebrauch, sondern durch künstlich aus Erdöl produzierte Farben ersetzt.

Der Einfluss der Alchemisten auf die Entwicklung von Pigmenten

Die synthetische Herstellung von anorganischen Pigmenten verdankt ihre Entwicklung vornehmlich den Alchemisten, denen bei ihrer Suche nach der „Herstellung“ von Gold eine Vorreiterrolle der modernen Chemie zukommt. Ihre Untersuchungen zum Aufbau der Materie und ihre Versuche zur Umwandlung von Metallen und anderen Elementen führte zu mancherlei farbiger Entdeckungen.

Diese erweiterte, doch noch immer begrenzte Palette der mineralischen Pigmente der Antike, zeichnet sich durch eine hohe Farbbrillinaz, Lichtechtheit und Beständigkeit aus.

 

Pflanzliche Farbstoffe

Die Suche nach Erschliessung und Gewinnung von Farbe erstreckte sich auch auf die Pflanzenwelt. Angezogen durch die prächtigen Farben der unterschiedlichen Blüten und der unerschöpflichen Vielfalt der Farbnuancen fanden die Menschen heraus, dass die Farbstoffe nicht immer in den Blüten verborgen sind, sondern besonders auch in den weniger auffälligen Pflanzenteilen: den Wurzeln, der Rinde, den Fruchtschalen.

 

Zu den natürlichen pflanzlichen Farbstoffen zählen Safran, Curcuma, Krappwurzel, Blauholz, Indigo, Reseda, Färberdiestel, Iris, Raute.

Pflanzliche, organische Farbstoffe sind gegenüber den mineralischen, anorganischen Pigmenten weitaus weniger beständig. Sie können sich durch den Einfluss von Licht und Feuchtigkeit stark verändern.

Archäologische Funde aus Ägypten weisen pflanzliche Färbungen von Textilien und Papyrus allerdings um etwa 3000 v. Chr. nach. Sie haben sich dort aufgrund des trockenen Klimas erhalten. Und doch ist anzunehmen, dass schon viel früher Färberpflanzen bekannt waren und auch genutzt wurden.

Ausserdem wurden auch einige Farbstoffe tierischer Herkunft genutzt. Beispielsweise das rote Cochenille, das aus drei verschiedenen Schildlausarten gewonnen werden kann oder der wertvolle rote Purpur, aus der Drüse der Purpurschnecke gewonnen wurde.

 

Das tonig-braune Sepia aus der Tintendrüse des Tintenfisches und Indischgelb, das aus dem Urin von mit Mangoblättern gefütterten Kühen hergestellt wurde, sind wiederum Pigmente tierischer Herkunft.

 

Gerade zur Osterzeit kann man manche solcher Pflanzenfarbstoffe sehr einfach bekommen. Sie werden in Apotheken und Drogerien zum Färben von Ostereiern verkauft.

Der Unterschied zwischen Pigmenten und Farbstoffen

Pigmente werden zum Malen und Streichen verwendet. Im Gegensatz dazu werden Farbstoffe zum Färben benutzt. 

 

Ein Pigment ist in einem Anwendungsmedium, also im Bindemittel unlösliches Farbmittel. Es besteht aus kleinsten Partikeln von einer Grösse zwischen einem Fünfhundertstel und einem Zweitausendstel Millimeter – also mikroklein! 

 

Farbstoffe sind lösliche Farbmittel. Sie können zum Färben von Textilien, Papier oder anderen Materialien verwendet werden. Beim Färbevorgang gehen die Farbstoffe chemische Verbindungen mit den Molekülen der zu färbenden Fasern ein. Man kann Farbstoffe auch durch einen sogenannten „Verlackungsprozess“ in Pigmente überführen – extrem spannend! Dazu gibt es im Herbst einen Kurs! Juhui

 

Die folgende Buchmalerei ist ein Beispiel für die kombinierte Verwendung von Pigmenten und Pflanzenfarben (sowie verlackten Pflanzenfarben) mit der die Farbpalette verfeinert werden konnte.

Woher kennen wir heute noch die Rezepte für historische Farben?

Es sind uns glücklicherweise noch einige kunsttechnologische Dokumente und Schriftensammlungen aus der Spätantike und vor allem des Mittelalters bekannt, die eine Vielzahl von Färbe- und Malrezepturen enthalten. Sie geben uns einen detaillierten Einblick in das Handwerk der Färberei und in die Verwendung der Farbmittel und die damals gebräuchlichen Maltechniken.

 

Die Farbenpracht der Buchmalerei stand der kunstvollen Ausführungen der damaligen Tafel- und Tüchleinmalerei in nichts nach. Beiden liegen dieselben Pigmente und verlackten Farbstoffe zugrunde.

 

Die Kunst der Miniaturmaler, der Scriptoren, bestand darin, die recht begrenzte Palette an Farben durch technisch raffinierte Kombinationen von Grundfarben und Lasurfarben zu prachtvollen Bildern und dekorierten Lettern zu komponieren. Durch zusätzliche Vergoldung und Versilberung brachten sie das Licht in die Bücher – so wurden sie auch Illuminatoren genannt.

 

Und jetzt kommts:

Im Herbst gebe ich zusammen mit Klaus Petrer Scheffel, einem grandiosen Scriptor aus Basel, einen Wochenendkurs in Bern zum Thema "mittelalterliche Buchmalerei: Malerei und Vergoldung mit selbst hergestellten Pigmenten & Pflanzenfarben".

 

Wir werden Pflanzenfarben selbst herstellen, verlacken, auf Pergament malen und vergolden und in die bezaubernde Welt der Buchmalerei eintauchen.

Voraussichtlicher Termin ist Samstag, 29.10. und Sonntag 30.10.2016.

Alle weiteren Infos dazu folgen demnächst  -  Juhui, ich freue mich schon darauf!!!

  

Bis dahin lade ich dich zu meinen "kreativen Inspirationen" ein mit denen ich dir einmal pro Monat Anregungen zum malen, basteln, Schreiben etc. zusende. 

Hier geht es zur Anmeldung

 

 

Verschiedene Buchtipps zum Thema, sowie wichtige maltechnische Schriften werde ich nach und nach unter Links hinzufügen.

 

 

Nun wünsche ich dir und deinen Liebsten ein frohes Osterfest, angenehme freie Tage, viel frische Luft und gute Laune!

 

Mit frühlings-frohen Grüssen, Julia Bigler

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Kommentare: 1
  • #1

    adi (Dienstag, 10 April 2018 16:09)

    Hi